Ausstellung „Mein liebes Harietchen“ in Dössel
Veranstalter freuen sich über volles Haus
Viele Dösseler und zahlreiche Gäste von außerhalb waren am vergangenen Sonntag der Einladung zum Besuch der Ausstellung gefolgt.

Der Dorftreff war bis auf den letzten Stehplatz gefüllt, als Ulla Hahne zunächst die Gäste begrüßte und dann dazu einlud, dem Schicksal der Warburger Familie Reinsberg zu folgen und dabei auch die eigene Verantwortung zu reflektieren, denn „Geschichte kann sich immer wieder wiederholen, und jüdische Geschichte ist auch deutsche Geschichte.“

Anschließend referierte Ruth Kröger-Bierhoff über die historische Entwicklung der Stadt Warburg mit dem Schwerpunkt auf der jüdischen Geschichte Warburgs. Beginnend mit dem Zuzugsantrag der beiden Juden Moses von Calenberg und Simon von Cassel (1559) zeichnete sie das Bild einer stetig wachsenden jüdischen Gemeinde in Warburg, beschrieb das Aufblühen und die Bedeutung der jüdischen Geschäfte in der Stadt sowie deren Niedergang ab der Machtergreifung der Nationalsozialisten.
Dies hatte bedeutende Auswirkungen auf das Leben und die Sicherheit der jüdischen Menschen in Warburg. Viele versuchten, dem zu entfliehen. Hariet Reinsberg war über London in die USA nach New York emigriert, ihre Eltern versuchten verzweifelt, die Erlaubnis zur Einreise in die USA zu bekommen um der Tochter folgen zu können.
Bis zu ihrem Tode hielten die Eltern brieflichen Kontakt zur Tochter, unterhielten sich über die kleinen Ereignisse in der Familie und im Freundeskreis, verstanden es aber auch, verschlüsselt die wichtigeren Nachrichten zu senden, denn der Zensor las mit. Und dann kamen plötzlich keine Briefe mehr.

Dieser Vortrag motivierte natürlich zum näheren Betrachten der Briefe „aus dem Nachtkästchen“, die als Fotos in einer kleinen Ausstellung präsentiert wurden. Zahlreiche Besucher kamen darüber miteinander ins Gespräch, man erinnerte sich an Erzählungen von Verwandten oder Bekannten, aber auch an nie stattgefundene Gespräche, an das Schweigen über die Kriegszeit. Sogar die jüngsten Gäste interessierten sich für die phantastischen Handschriften, mit denen die Eltern Reinsberg ihre Briefe geschrieben hatten.

Zum Abschluss des Nachmittages lasen Ruth Kröger-Bierhoff und Ulla, Maria und Annette Hahne einige der 52 Briefe vor.
Impressionen der Veranstaltung

Autorin: Ulla Hahne














